Core Values - Warum sie wichtig sind und wie man sie findet
09 Nov 2025
Hallo Zusammen!
Nach dem Abschluss meines Studiums stieß ich beim Ausmisten meiner Computer auf einen verstaubten Ordner namens “Jekyll” und stellte mit Erstaunen fest, dass mein Internetauftritt aufgrund meiner Inaktivität doch noch nicht für tot erklärt oder vom Netz genommen wurde.
Da nun kein Universitätsprofessor mehr über meine Freizeit bestimmt und irgendeine Abschluss- oder Hausarbeit anzufertigen ist, befinde ich mich in der komfortablen Situation, mich neben der Arbeit unter anderem vermehrt Dingen zuzuwenden, die etwas Zeit zum Reflektieren und Muße zum schreiben verlangen.

Aus diesem Grunde plane ich den ein oder anderen Blogartikel über Themen, die mich beschäftigen, zu verfassen und euch an meinen Gedankengängen teilhaben zu lassen. Thematisch habe ich mir dabei keine Leitplanken gesetzt. Also lass dich überraschen und sei herzlich eingeladen mit mir darüber im Kommentarbereich in den Dialog zu treten.
Vor einiger Zeit stöberte ich auf der Website eines sehr interessanten Mannes namens Cameron “Cam” Hanes. Dieser ist Ultramarathonläufer und Bow-Hunter – also Jäger, dessen Waffe der Wahl Pfeil und Bogen ist. Als Vorbereitung auf seine Jagden versucht er, täglich 5-22 Meilen (~8-35km) zu laufen, trainiert mit Gewichten und feilt an seinen Fähigkeiten am Bogen (QUELLE), was auch seiner YouTube-Videoreihe “Lift, Run, Shoot” ihren Namen verleiht. Eine weitere Trainingsmethode abseits der Jagdsaison von Hanes ist es, einen ca. 30kg schweren Stein auf den Gipfel von Mt. Pisgah anderthalb Meilen und mit einem Höhenunterschied von ca. 400m hin und zurück zu tragen (QUELLE). Der ein oder andere Mensch würde behaupten, dass der Typ einen an der Waffel hat, aber mir nötigt seine fast schon an Besessenheit grenzende Disziplin den höchsten Respekt ab und sehe ihn als Inspiration in Zeiten von wuchernden Komfortzonen selbige auch im Alltag zu verlassen und einen Schritt mehr zu tun, als ich es eigentlich vorhatte. Daher scheint es auch wenig verwunderlich, dass das Zitat “I think anything great happens being warm and comfortable” die Absendeadresse von Cam Hanes besitzt (QUELLE).

Als ich Cams Website studierte, stolperte ich über eine Seite mit der Überschrift “Core Values” und fragte mich, was genau dahintersteckt, warum diese wichtig genug sind, um sie mit einer eigenen Seite zu belohnen und ob es sinnvoll ist, diese für mich selbst zu erarbeiten. Das Thema des ersten Blogartikels nach mehr als drei Jahren Pause lautet daher “Core Values – Warum sie wichtig sind und wie man sie findet”.
Was sind Core Values?
Core Values oder Grundwerte sind fundamentale Prinzipien und Überzeugungen, welche die Grundlage unseres Verhaltens und unserer Entscheidungen bilden (QUELLE). Sie geben Organisationen, Vereinen, Gruppen, aber auch Völkern und einzelnen Personen einen positiven Leitfaden für ihr handeln und eine Identität. Im Falle von Völkern werden Grundwerte zumeist nicht formal aufgeschrieben, aber sie sind dennoch im alltäglichen Leben und der Kultur verankert und werden oftmals von Generation zu Generation weitergegeben. Grundwerte geben Halt, wie ein Gerüst oder eine Leitplanke, welche erlaubt sich in abgesteckten Grenzen frei zu bewegen und jene aber nicht zu überdehnen. Wenn beispielsweise Ehrlichkeit eines deiner Grundwerte ist, du einen zwischenmenschlichen Konflikt hast und du das dringende Bedürfnis verspürst unumwunden zu sagen, dass dein Gegenüber das größte Rindvieh ist, was du jemals gesehen hast, dann bist du dir grundsätzlich treu geblieben. Möglicherweise schlägt die Konversation dann aber einen destruktiveren Weg ein, als dass das der Fall ist, wenn man in diesem Fall einen gemäßigteren Ton anschlägt und sich auf die Sachebene beschränkt.

Ich will damit sagen, dass man seine Grundwerte nicht bei jeder Gelegenheit über Bord wirft, aber bei der Auswahl der Mittel zur Ausübung ein gewisser Spielraum vorhanden sein kann.
Wie unterscheiden sie sich zu Mission Statements und Fixsternen?
Grundwerte oder Core Values sind jedoch nicht zu verwechseln mit Mission Statements, welche den Zweck einer Organisationseinheit formulieren, also was sie macht, zu welchem Zweck und wem sie zugutekommt. Core Values erklären das “Wie”, Mission Statements hingegen das “Was” und “Warum” (QUELLE). Grundwerte sind ebenfalls keine Fixsterne, welche Verhaltensweisen darstellen, die erst noch erlernt oder etabliert werden müssen (QUELLE). Sie sind bereits Teil der Identität und stark in alltäglichen Verhaltensweisen verwurzelt. Daher ändern diese sich auch nicht fundamental und bleiben in ihren Grundfesten bestehen. Das Ziel ist zu identifizieren, was dir wirklich wichtig ist und worauf du stolz bist, sodass du Zufriedenheit und Erfüllung beim ausleben dieser Werte erfährst. Es dient auch niemanden Ideale für sich zu wählen, die für andere wichtig erscheinen, dich aber nur peripher tangieren. Es sind ja auch schließlich DEINE Grundwerte 😉 .
Warum sind Core Values (mir) wichtig?
Diese Frage möchte ich in zwei Abschnitten beantworten. Zunächst definieren sie Grenzen für die Gruppen oder Einzelpersonen selbst, welches Verhalten von einem selbst oder Anderen akzeptabel ist und welches nicht. Sie helfen bei der Klarstellung der Frage, wer man ist und wer/was zum entsprechenden Wertefundament passt. Inbesondere können aus meiner Sicht auch die grundsätzlichen Fragen des Lebens beantwortet werden: Was brauche ich für ein erfülltes Leben und wer/was passt dazu? Was will ich für ein Leben führen? Wer will ich sein? Die Rückbesinnung auf Grundwerte bei schwierigen Entscheidungen kann dabei helfen, einen authentischen Weg einzuschlagen und Klarheit im Handeln zu schaffen. Sie helfen dabei Integrität und Konsistenz aufzubauen, was wiederum persönliches Wachstum fördert und bedeutungsvolle Freundschaften über geteilte Ziele und Lebensvorstellungen begünstigt. Core Values können ebenfalls dazu dienen sich selbst an seine positiven Seiten zu erinnern und motivieren, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen, wenn gerade eine herausfordernde Phase durchlebt wird. Im zweiten Teil der Antwort möchte ich die Außendarstellung hervorheben. Eine geteilte Mission und Identität kann zu einem Gemeinschaftsgefühl führen und Mitwirkung, Motivation und Loyalität steigern. Auch hier kann Cam Hanes als inspirierendes Beispiel dienen. Hanes lebt 24/7 mit einer Mentalität der Neugierde, Disziplin und harter Arbeit und versammelt damit natürlich Gleichgesinnte, was zu einer erlauchten Gesellschaft führt, die sich gegenseitig zieht. Dieses Beispiel zeigt, dass die Rückbesinnung auf Grundwerte dabei helfen können, ein Umfeld zu schaffen, in dem man sich geborgen fühlt und gerne lebt.
Wie findet man seine Core Values heraus?

Es gibt verschiedene Herangehensweisen, seine Core Values herauszufinden. Die erste Variante ist auf dein Leben zu schauen und über die erfüllendsten Erlebnisse, welche die stärksten Emotionen auslösten nachzudenken. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit zu beobachten, wie man seine Zeit verbringt und analysiert, welche Werte man in verschiedenen Szenarien gelebt hat. Einige fundamentale Fragen, wie die folgenden, kann man sich ebenfalls stellen:
- Was stellt für mich ein erfülltes Leben dar und was braucht man dazu?
- Wer sind meine Vorbilder und warum?
- Wer möchte ich in meiner Eigenwahrnehmung sein und was verkörpere ich davon bereits?
- Worin bin ich besonders gut und gleichzeitig stolz darauf?
Sollte man auf diese Fragen keine guten Antworten haben, besteht auch die Möglichkeit Inspiration im Internet, in generischen Listen zu finden. Zunächst können großzügig die Werte herausgeschrieben werden, welche mit dir in Resonanz gehen oder die dir spontan einfallen. Anschließend können dann Synonyme in einem Wert zusammengefasst werden, welcher sich am besten anfühlt. Sind die grundlegendsten Persönlichkeitswerte herausgeschrieben, sollte zusätzlich noch zu jedem Wert eine kurze Beschreibung, was dieser für dich genau bedeutet, hinzugefügt werden. Dort können auch die Core Values, die in der ersten Liste gefiltert worden, mit aufgeführt werden.
Wie viele Core Values sollte man haben?
Eine weitere Frage, die man sich beim Erarbeiten der Liste stellen wird, ist, wie lang diese sein sollte. In verschiedenen Quellen liest man von (2) bis (10) Grundwerten. Cam Hanes hat seinerseits fünf ausfündig gemacht. Ich bin überzeugt, dass hier weniger mehr bedeutet. Bei zehn Grundwerten kann der Fokus nicht zu allen Werten gewahrt bleiben, die Klarheit und Wichtigkeit der einzelnen Werte nimmt ab und der praktische Nutzen vermindert sich. Pete Bowen spricht in seinem Artikel über Core Values über die “Macht der Drei”, welchem ich mich anschließe. Drei fundamentale Werte sind einerseits überschaubar und andererseits sind sie einprägsam genug. Auch beim Coaching in Badminton-Spielen habe ich mich stets auf drei Kernaussagen beschränkt und konnte feststellen, dass diese zumindest gut aufgenommen, wenn auch nicht immer in die Tat umgesetzt werden konnten. Die Umsetzung steht aber auch auf einem anderen Blatt Papier 😜. Auch wenn ich mich nicht als Referenz für Gedächtnisleistung empfehlen würde, möchte ich erwähnen, dass wenn ich selbst gecoacht wurde, ich mir zumeist nur drei Tipps gut merken konnte. Daher stellen für mich 3 Grundwerte die optimale Anzahl dar.
Meine Core Values
Die vergangenen Paragraphen dienten der Vorstellung der Core Values und wie man diese für sich erschließt. Nachfolgend möchte ich die Grundwerte, welche ich für mich hergeleitet habe, aufführen und kurz erläutern.
Beharrlichkeit
Gehe jedes Ziel mit Entschlossenheit, Ehrgeiz und Leidenschaft an, bis dieses erreicht ist.

Beharrlichkeit und der “Spaß am Gasgeben” ist für mich, gerade in der Zeit des Internets, der KI und Instant Gratification, in der Vieles mithilfe eines Mausklicks oder Prompts zu erfahren und zu analysieren ist, eine der wichtigsten Eigenschaften, um sich von der breiten Masse abzusetzen. Die besten eines Fachs - egal ob Sport, Wissenschaft, Business, etc. - vereint diese Eigenschaft. Denn egal wie talentiert jemand ist, erreicht niemand die Spitze oder wird gut in etwas, wenn nicht eine Portion Leidensfähigkeit ins Tun einfließt. Beharrlichkeit mag für den einen oder anderen als etwas Anstrengendes deklariert werden, wenn ich diese Eigenschaft jedoch auf mich wirken lasse, überwiegt für mich die Freude daran, für etwas hart gearbeitet und vielleicht auch nicht gleich bekommen/gerafft zu haben. Nebenbei sei erwähnt, dass das “Spaß am Gasgeben” auch von Cam Hanes geteilt wird und von ihm mit “Enjoy the grind” beschrieben wird 🙃.
Courage
Stelle dich Ungewissheiten, Widerständen und Ängsten und verstehe sie als Ort für Lernen, Heilung und Wachstum.

Ich bin der Überzeugung, dass die meisten Menschen entweder von Faulheit oder Ängsten von einem erfüllten Leben zurückgehalten werden. Gerade Ängste schleichen sich zum Teil unbemerkt in unser Leben, vergrößern die Versuchung, in unserer Komfortzone zu verweilen, und hindern uns unterbewusst unsere Träume zu verwirklichen. Brian Begin, dessen (YT-Kanal) ich wärmstens empfehlen kann, bringt es mit seinem Motto “Only the courageous really live.” für mich treffend auf den Punkt. Mut kann sich jedoch auch einfach in der Hinsicht äußern, dass man die ungefilterte Wahrheit ausspricht, auch wenn dies Schmerz oder das Ende von Träumen mit sich bringt. Mut verhilft nicht nur dazu, sich selbst wohl zu fühlen, sondern auch authentisch zu leben und Anderen ein Gefühl von Sicherheit in deiner Gegenwart zu verleihen. Zum Thema Angst fällt mir noch ein Zitat von Marianne Williamson ein, welches von Nelson Mandela und im Film “Coach Carter” aufgegriffen wurde. Der Ausschnitt ist hier zu finden.
Neugier
Probiere Neues und hinterfrage alles. Lernen heißt leben.

Neugierde, dieser mit Enthusiasmus nachzugehen und Wachstum, ist für mich der Inbegriff des Lebens. Grenzenloses Wachstum ist vermutlich in vielerlei Hinsicht unmöglich, jedoch sollte meiner Ansicht nach in einem Menschenleben nur die Lebenszeit der limitierende Faktor sein. Jedes Kind besitzt dieses naturgegebene Geschenk der Neugierde und erweitert seinen Horizont tagtäglich (wenn auch unterbewusst). Paradoxer- und auch bedauernswerterweise scheint der Ort, wo wir “das Leben lernen” – die Schule – gerade dazu beizutragen, dass man die Gier nach Neuem aberzogen bekommt.
“Most people die at 25 and aren’t buried until they’re 75.” - Benjamin Franklin
In einigen Gesprächen mit meiner Peripherie, stelle ich fest, dass Gewohnheit und Routine den Alltag fest im Griff haben und Mr. Franklin wohl recht zu haben scheint. Sicherlich können Routinen gerade für die Stabilität in gewissen Feldern nützlich sein, jedoch erscheint ein Leben in kompletter Routine mit der Zeit langweilig und verkümmert den Geist. Daher behaupte ich: Wer ein lebenswertes Leben hat oder haben möchte, kommt an der Neugier nicht vorbei!
Abschließende Gedanken
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Core Values / Grundwerte für mich ein interessantes Gedankenspiel und eine nützliche Krücke sind, um gerade an Tagen, an denen nichts zustande kommt, sich wieder auf seine Stärken zurückzubesinnen und mit einer etwas anderen Perspektive auf die Probleme weiterzumachen. Außerdem stelle ich fest, dass diese Art von Ausarbeitung und Schreiben Vergnügen bereitet und ich bin überzeugt, dass es nicht wieder mehr als drei Jahre dauern wird, bis der nächste Blog-Eintrag erscheinen wird – Ideen gibt es genügend!

Zum Schluss möchte dir herzlich danken, dass du dir Zeit für diesen Artikel genommen hast, und dich einladen deine Gedanken dazu mit mir zu teilen.

Beste Grüße und auf bald,
Maik
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